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Historie des Elektrotechnischen Instituts

Das Elektrotechnische Institut

der Grossherzoglichen Technischen Hochschule zu Karlsruhe

1894 Berufung Engelbert Arnolds als ersten ordentlichen Professor für Elektrotechnik auf den Lehrstuhl für Starkstromtechnik und Elektrische Maschinen.
Arnold wurde 1856 in der Schweiz als zweites von neun Kindern geboren. Der Vater war Landwirt. Arnold studierte von 1874 bis 1878 am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich Maschinenbau. Er habilitierte 1883 am Polytechnikum in Riga. Sein erstes Buch über die Ankerwicklung von Gleichstrommaschinen erschien 1891. Im gleichen Jahr nahm er eine Stellung als Oberingenieur an der Schweizer Maschinenfabrik Oerlikon an.
Gleichzeitig mit der Berufung Arnolds nach Karlsruhe wurde im Herbst 1894 die elektrotechnische Abteilung gegründet. Sie hatte im ersten Wintersemester 43 Studierende. Bis zur Jahrhundertwende steigerte sich die Studierendenzahl auf etwa 200.
Arnold wurde 1905 zum Geheimen Hofrat ernannt und erhielt 1906 die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Hannover.
Im Laufe von Arnolds Tätigkeit in Karlsruhe entstand ein acht Bände umfassendes, grundlegendes Werk über Wechselstromtechnik und Gleichstrommaschinen, das über 5000 Textseiten und über 3000 Abbildungen enthält und im Springer-Verlag erschienen ist.
Engelbert Arnold leitete das Elektrotechnische Institut bis zu seinem frühen Tode 1911 im Alter von 55 Jahren.

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1896 Baubeginn des Elektrotechnischen Instituts auf dem ehemaligen Exerzierplatz der Dragoner hinter dem ursprünglichen Grundstück der technischen Hochschule.

Mai 1899

Einweihung des Elektrotechnischen Instituts an der Fridericiana durch den Institutsgründer Engelbert Arnold im Beisein seiner Königlichen Hoheit Großherzog Friedrich.
Die Baukosten beliefen sich auf rund ½ Million Reichsmark einschließlich der Laboreinrichtungen (unter anderem 12 Gleichstrommaschinen, 13 Wechselstrommaschinen und 6 Transformatoren).
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Bild_ETI_1899

 Abb.: Das Elektrotechnische Institut um 1899

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 Abb.: Maschinensaal um 1899

 

1912 Rudolf Richter wird auf den Lehrstuhl für Elektrische Maschinen berufen und übernimmt die Institutsleitung, die er bis 1947 innehat.
Richter wurde 1877 in Fürstenwalde a.d. Spree geboren. Nach seinem Studium an der Universität Berlin und der techn. Hochschule in Charlottenburg war er zunächst von 1900 bis 1908 bei Siemens & Halske in Leopoldau bei Wien und den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin-Charlottenburg tätig. Von 1908 bis 1912 war er technischer Leiter der Bahnabteilung der Maffei-Schwartzkopff-Werke in Berlin, die er selbst aufbaute. Im Oktober 1912 erhält Richter die Berufung als ordentlicher Professor für Elektrotechnik an die Techn. Hochschule in Karlsruhe, 1947 wurde er emeritiert und verschied 1957. Von der Technischen Hochschule Darmstadt erhielt Richter die Ehrendoktorwürde.
Richter verfasste während seiner Tätigkeit in Karlsruhe ein bis in die heutige Zeit bekanntes fünfbändiges Standardwerk über den gesamten Elektromaschinenbau einschließlich der Transformatoren.

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1917 Theodor Boveri, Sohn von Walther E. Boveri (einem der Firmengründer der BBC, heute ABB), fertigte 1917 seine Diplomarbeit am ETI an. Er stieg danach in den elterlichen Betrieb ein und wechselte 1933 zur Motor-Columbus AG aus Baden im Aargau, die sich mit dem Kraftwerksbau befasste und ebenfalls von seinem Vater gegründet wurde. Dort hatte er von 1951 bis 1970 die Position des Verwaltungsratspräsidenten inne. Theodor Boveri erhielt 1949 die Ehrendoktorwürde der Universität Karlsruhe und verstarb 1977.

Sept. 1944

Durch Kriegseinwirkung brannte das Institutsgebäude bis zum Kellergeschoss aus. Bei Kriegsende standen nur noch die Umfassungsmauern. Die Einrichtung und der größte Teil der Bibliothek gingen verloren. Auch die Maschinen wurden schwer mitgenommen, konnten aber zum Teil in der eigenen Werkstatt wieder instand gesetzt werden.
1947 Friedrich Stier wird Nachfolger von Richter auf dem Lehrstuhl für Starkstromtechnik und Elektrische Maschinen und in der Institutsleitung, die er bis 1961 innehatte.
Stier stammte aus Ellwangen a.d. Jagst (geboren 1899) und studierte an den Technischen Hochschulen in Stuttgart, Karlsruhe und Berlin. Er promovierte 1932 in Berlin und arbeitete vor seiner Berufung als Berechnungsingenieur und später als Leiter der Prüf- und Versuchsfelder des Berliner Dynamowerks der Siemens-Schuckert-Werke.
Stier verstarb 1961 nach schwerer Krankheit.

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1948 Nach Kriegsende erfolgte der Neuaufbau des Elektrotechnischen Instituts. Etliche elektrische Maschinen, Schalttafeln u.a.m. wurden aus dem Schutt des ETI geborgen und von der Werkstatt wieder hergerichtet. Bis zur Währungsreform 1948 waren die Decke des Obergeschosses wieder eingezogen und der Dachstuhl aufgesetzt worden. Im WS 1948/49 war die Maschinenhalle notdürftig hergerichtet, so dass die Laboratoriumsübungen wieder aufgenommen werden konnten. Ein Jahr später waren auch die beiden Hörsäle wieder benutzbar. Die Erneuerung des Kabelnetzes, des noch aus Marmor aufgebauten Linienwählers, des Steuerleitungsvermittlers, der Batterie und der Laboreinrichtungen zog sich aus finanziellen Gründen bis in die späten fünfziger Jahre hin.

1955

Promotion von Herbert Weh am Elektrotechnischen Institut.
Weh studierte Elektrotechnik an der TH Karlsruhe ab 1947; er wurde 1954 Leiter der Entwicklungsabteilung der Schorch-Werke in Mönchengladbach und war von 1961 bis 1995 Leiter des Instituts für Elektrische Maschinen, Antriebe und Bahnen an der TU Braunschweig; Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Weh wurde vor allem bekannt durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der Transversalflussmaschinen und der Magnetbahntechnik. Er gilt als einer der Väter des Transrapid.

1960

Zur Überbrückung der Krankheitszeit von Prof. Stier ab Herbst 1960 wurde unter kommissarischer Leitung von Prof. Dr. Lau, Direktor des Hochspannungsinstituts, die Verwaltung des Elektrotechnischen Instituts an den damaligen Oberingenieur, Adolf Priess, übertragen. Priess war seit 1954 Assistent und blieb bis 1966 Oberingenieur des ETI. Anschließend wechselte er in das Nürnberger Maschinen- und Apparatewerk der Siemens AG, wo er bis zu seiner Pensionierung 1990 als Abteilungsleiter tätig war.
1962 Hans Prassler übernimmt den Lehrstuhl für Starkstromtechnik und Elektrische Maschinen und auch die Institutsleitung, die er bis zu seinem plötzlichen Tode im Jahre 1976 innehat.
Prassler wurde 1913 in Löwenstein im Kreis Heilbronn geboren und studierte in Stuttgart Elektrotechnik. Anschließend arbeitete er bei den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin als Berechnungsingenieur. Nach dem Kriege kam er als Assistent ans ETI und wurde später Oberingenieur bei Prof. Stier. Er promovierte 1949 und habilitierte sich 1956 für das Fach Elektromaschinenbau. Im folgenden Jahr kehrte Prassler zu Siemens ins Dynamowerk nach Berlin zurück, blieb der Universität Karlsruhe aber durch einen Lehrauftrag für Elektromaschinenbau verbunden. Weitere fünf Jahre später wurde Prassler zum Direktor des Elektrotechnischen Instituts ernannt.

Mit Hans Prassler hat sich das Arbeitsgebiet des Instituts gewandelt und erweitert. Die aufstrebenden energietechnischen Gebiete der Leistungselektronik und der drehzahlveränderbaren elektrischen Antriebe haben den klassischen Elektromaschinenbau zurückgedrängt. Die dynamische Modellierung der elektrischen Maschinen, ihre Steuerung mit leistungselektronischen Halbleitern und die regelungstechnische Beherrschung wurden wichtige Aufgaben des ETI.

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1976

Helmut Späth wird zum Professor und kommissarischen Leiter des Elektrotechnischen Instituts ernannt.
Späth wurde 1935 in Karlsruhe geboren. Nach einer Lehre als Starkstromtechniker studierte er Elektrotechnik in Karlsruhe und promovierte 1967 bei Prof. Prassler. Im Jahre 1974 folgte die Habilitation für das Lehrgebiet „Elektrische Maschinen und Stromrichter“.
Späth wurde im Jahr 2000 pensioniert und war bis zu seinem Tod Ende 2014 aktiv am Forschungsbetrieb im ETI beteiligt.

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1979 Manfred Meyer wird auf das Ordinariat für Elektrische Antriebe und Leistungselektronik berufen und zum Direktor des Elektrotechnischen Instituts ernannt. Dieses Amt hat er bis zu seiner Pensionierung 1993 inne. Meyer wurde 1928 in Berlin geboren und studierte von 1948 bis 1953 Energietechnik an der TU Berlin. Nach seiner Promotion 1956 war er bis 1979 bei der Siemens AG tätig, zuletzt als Leiter des Labors und Versuchsfelder sowie des technischen Teils des Gerätebaus im Nürnberger Maschinen- und Apparatewerk. Von 1981 bis 1990 war Meyer Obmann des Kommitees „Elektromagnetische Verträglichkeit“ der DKE und deutscher Sprecher im entsprechenden Ausschuss bei IEC. Manfred Meyer verstarb kurz nach seiner Pensionierung im Jahre 1993.

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1994 Michael Braun wird Leiter des Elektrotechnischen Instituts. Braun wurde 1954 in Fulda geboren und studierte Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt, wo er 1983 mit einer Arbeit über Direktumrichter am Institut für Stromrichtertechnik und Antriebsregelung promovierte. Von 1983 bis 1994 war er bei der Siemens AG tätig, zuletzt als Abteilungsleiter für Grundlagenentwicklung im Gerätewerk in Erlangen.

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2011 Martin Doppelbauer wird als Professor für Hybridelektrische Fahrzeuge (HEV) ans ETI berufen.
Doppelbauer wurde 1965 in Südwestfalen geboren und studierte Elektrotechnik an der Universität Dortmund. Nach seiner Promotion im Jahre 1995 arbeitete er bei der Bauer Antriebstechnik GmbH in Esslingen a. Neckar, ab 2002 war er Leiter der Motorenentwicklung bei der SEW Eurodrive GmbH&Co KG in Bruchsal. Doppelbauer ist Obmann des Normungs-Komitees ‘Drehende elektrische Maschinen’ (K311) in der DKE und deutscher Sprecher bei IEC und CENELEC TC2.

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2015 Marc Hiller wird als Professor für Leistungselektronische Systeme (PES) ans ETI berufen.
Hiller wurde 1974 in Wertheim am Main geboren und studierte Elektrotechnik an der Technischen Universität Darmstadt. Nach einem Jahr in der Entwicklung von Stromrichtern für Traktionsanwendungen wechselte er 1999 an die Universität der Bundeswehr München, wo er über Geschaltete Reluktanzantriebe am Institut für Elektrische Antriebstechnik promovierte. Von 2005 bis 2015  arbeitete er in verschiedenen Positionen in der Entwicklung von Stromrichtern für industrielle Anwendungen bei der Siemens AG, Nürnberg. Zuletzt war er dort für die Leistungsteilentwicklung von Mittelspannungsstromrichtern verantwortlich.

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